FAZ 21.01.2026
15:52 Uhr

3,5 Tonnen Rauschgift: Großer Schlag gegen Handel mit synthetischen Drogen


Dank der von Europol koordinierten „Operation Fabryka“ gelingt es Ermittlern nicht nur, einen Chemikalien-Großhandel in Polen, sondern auch zahlreiche Rauschgiftlabore in mehreren europäischen Ländern auszuheben.

3,5 Tonnen Rauschgift: Großer Schlag gegen Handel mit synthetischen Drogen

Im laut Europol bisher größten Ermittlungskomplex zu synthetischen Drogen sind in den vergangenen Monaten auch in mehreren deutschen Bundesländern 800 Kilogramm Rauschgift beschlagnahmt und rund 175.000 Liter hochgiftiger Chemieabfälle sichergestellt, 46 Tatverdächtige festgenommen und sechs Drogenlabore ausgehoben worden. Tino Igelmann, der Leiter des Zollkriminalamts der Grenzolldirektion in Köln, sagte am Mittwoch, die enge Zusammenarbeit mit der Polizei, der Staatsanwaltschaft und internationalen Partnerbehörden habe den „bislang in dieser Größenordnung einzigartigen Erfolg“ ermöglicht. „Allein die in Deutschland aufgedeckten Labore verfügten über Produktionskapazitäten im einstelligen Tonnenbereich“, sagte Igelmann. Zuletzt wurden am Freitag im Rahmen der in Deutschland unter dem Namen „Operation Nexus“ laufenden Ermittlungen im niedersächsischen Papenburg und im nordrhein-westfälischen Borken Chemieabfälle sichergestellt und eine professionelle Cannabisplantage ausgehoben. 85 Personen festgenommen Nach Angaben von Europol, das den Fall unter dem Namen „Operation Fabryka“ koordiniert, konnten europaweit in den vergangenen Monaten 85 Personen festgenommen,  24 professionelle Großlabore und 16 Zwischenlagerstätten für Chemikalien ausgehoben sowie 3,5 Tonnen synthetisches Rauschgift beschlagnahmt werden. Die ebenfalls sichergestellten Vorläufersubstanzen im Gesamtgewicht von 1000 Tonnen hätten nach Einschätzung der in Den Haag ansässigen europäischen Ermittlungsbehörde ausgereicht, um rund 300 Tonnen synthetisches Rauschgift wie MDMA oder Amphetamin herzustellen. Im Fokus der „Operation Fabryka“ steht eine polnische Gruppierung, die laut Europol hunderte Tonnen Chemikalien eingeführt, zu kleineren Mengen umverpackt, falsch etikettiert und dann zur Herstellung synthetischer Drogen an Rauschgiftlabore in anderen europäischen Ländern geliefert hat. Die Gruppierung war Drogenfahndern aus Breslau aufgefallen, weil sie chemische Grundstoffe aus Indien und China in so hohen Mengen importierte, die für die Herstellung von Pharmaprodukten gar nicht benötigt werden. Am bisher letzten sogenannten „Action Day“ am vergangenen Freitag wurden in Polen 19 Personen festgenommen. Dort, in Belgien, Deutschland und den Niederlanden wurden 50 Wohn- und Geschäftsräume durchsucht. Nach Einschätzung von Europol ist es durch die über mehr als ein Jahr laufende „Operation Fabryka“ gelungen, einen der größten Lieferanten für Drogenproduzenten auszuheben. Der Leiter des Zentrums zur Bekämpfung der schweren organisierten Kriminalität bei Europol, Andy Kaag, sprach im niederländischen Rundfunk von „einem schweren Schlag für organisierte kriminelle Gruppen“.