FAZ 01.02.2026
19:38 Uhr

3:2 gegen Heidenheim: „Vogelwilder“ BVB träumt von der Meisterschaft


Borussia Dortmund gewinnt ein wendungsreiches Fußballspiel voller Fehler. Wirklich verdient ist der Erfolg gegen Heidenheim nicht. Trotzdem formuliert Nico Schlotterbeck eine Kampfansage an die Bayern.

3:2 gegen Heidenheim: „Vogelwilder“ BVB träumt von der Meisterschaft

Dass Serhou Guirassy eine hervorragende Besetzung für die Rolle der Dramaqueen in der Saisongeschichte von Borussia Dortmund ist, deutet sich schon länger an. Der Torjäger hat das Spieljahr stark begonnen, steckt jetzt aber seit Monaten in einer fundamentalen Krise, die auch beim sehr glücklichen 3:2-Sieg des BVB eine Stunde lang allgegenwärtig war: Fehlpässe, falsche Entscheidungen, unglückliche Torabschlüsse, kaum etwas gelang dem Profi aus Guinea. Bis zehn wilde Guirassy-Minuten zum vorläufigen Höhepunkt des Dramas wurden. Es stand 2:1 für Heidenheim, als der Angreifer einen Handelfmeter zum 2:2 (68.) verwandelte und zwei Minuten später auch noch zum 3:2 traf. Das Stadion tobte, der Gedanke an das große Guirassy-Comeback lag in der Luft, aber das war noch nicht alles. „Es ist mir egal“ In der 85. Minute führte der Angreifer einen weiteren Elfmeter aus, schoss jedoch viel zu lässig über die Latte. Beinahe wäre Guirassy deshalb noch vom Matchwinner zum Hauptverantwortlichen für einen weiteren Rückschlag geworden. Denn gewonnen hat Borussia Dortmund nur, weil Heidenheim in der Schlussphase „drei Hundertprozenter vergeben“ hat, wie Heidenheims Trainer Frank Schmidt sagte. Guriassy zeigte nach der Partie aber kein Interesse an Gedanken dieser Art, Kritik an seiner streitbaren Leistung mochte er nicht zulassen. „Es ist mir egal“, sagte er auf die Frage nach dem vergebenen Strafstoß. „Manchmal treffe ich, manchmal nicht. Das ist Fußball, so ist das Leben. Man muss auf den Beinen bleiben und weiter gehen, das ist, was ich tue.“ Wirklich verdient haben die Dortmunder diesen Erfolg allerdings nicht nach dieser zweiten Halbzeit, in der dem BVB immer wieder die Kontrolle verloren ging. „Für die Zuschauer war das ganz schön, für mich als Trainer weniger“, sagte Trainer Niko Kovac, wir müssen solche Spiele viel schneller und sicherer und früher für uns entscheiden.“ „Vogelwild“ sei es zugegangen, sagte Nico Schlotterbeck und formulierte trotz der fehlerhaften Leistung eine entschlossene Kampfansage an Bayern München. „Man muss als BVB einmal den Anspruch haben, den Fans zu sagen: Wir wollen Meister werden“, sagte der Verteidiger. „Es sind drei Punkte weniger Rückstand als in der Winterpause, deswegen kann ich sagen: Wir wollen Angreifen. Vielleicht fangen sie an, jetzt mal zu überlegen.“ Das klang ein wenig absurd, nachdem Kovac auf seiner ewig währenden Suche nach der passenden Balance für diese Partie einen vergleichsweise risikofreudigen Ansatz gewählt hatte und auch gegen einen Außenseiter wie Heidenheim bis zur letzten Sekunde hatte zittern müssen. Mit Guirassy, Karim Adeyemi, Yan Couto und Julian Brandt standen vier der Spieler in der Startelf, die mit viel Energie nach vorne spielen können, denen aber auch regelmäßig Fehler beim Verteidigen passieren. Wendungsreiches Fußballspiel Gegen den Tabellenletzten schien diese Risikobereitschaft eigentlich sinnvoll, zumal Kovac ja hart für seinen Pragmatismus kritisiert worden war und dem Publikum vielleicht etwas bieten wollte. Kovacs Zweckfußball ist umstritten, insofern war die Aufstellung auch ein Signal gegen die Kritiker. Und tatsächlich war viel mehr los als in den meisten anderen Spielen der genau 364 Tage seit Kovacs Ankunft in Dortmund. Bereits in der ersten Hälfte kam auch Heidenheim zu guten Chancen, Dortmund hatte viel den Ball, Guirassy traf die Latte. Am Ende hatte das Publikum ein wendungsreiches Fußballspiel voller Fehler mit fünf Toren gesehen – gewissermaßen den Gegenentwurf zu der Spielweise, die eigentlich mit Niko Kovac assoziiert wird. Das Dortmunder 1:0 durch Waldemar Anton (44.) beantwortete Heidenheim mit Toren von Julian Niehues kurz vor der Pause (45.+5) und gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit. (48.) mit dem Führungstreffer. Zudem wurde ein Aufregerthema vom Vortag auch an diesem Abend relevant. Loris Karius, der Torhüter des FC Schalke, hatte nach der 0:2-Niederlage in Bochum am Samstag mit deutlichen Worten gefordert, dass die Schiedsrichter ihre Linie bei Körperkontakten zwischen den Keepern und ihren Gegenspielern, erklären und präzisieren müssen. Mal wird hier bei leichten Stößen gepfiffen, die in anderen Zweikämpfen üblich sind, mal läuft das Spiel bei harten Kontakten einfach weiter. Das sei ein „Unding“ hatte Karius gesagt. In Dortmund wurde dem 1. FC Heidenheim nun ein Treffer aberkannt, weil Patrick Mainka Gregor Kobel bei dessen Klärungsversuch gestört hatte. Das Dortmunder 1:0 von Waldemar Anton zählte hingegen, obgleich auch Diant Ramaj, der Heidenheimer Torwart, zuvor auf ähnliche Art und Weise angegangen worden war. Eine klare Linie war nicht erkennbar. Für die Heidenheimer war das an diesem Tag bitter, aber ein zumindest dem Anschein nach etwas spannenderes Titelrennen hat die Bundesliga durch die Pfiffe von Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck bekommen.