Auch für den Bericht über ein Spiel der Fußball-Bundesliga gilt eigentlich die Grundregel, dass die wichtigsten W-Fragen beantwortet werden sollten. Doch schon eine reichte, um den Sieg des FC Bayern München über Eintracht Frankfurt und das ganze Drumherum einzuordnen. Who? Das war am Samstag mal wieder die Frage, als in der 16. und in der 20. Spielminute an der Stelle, an der in der Arena in München sonst Vincent Kompany steht, ein Mann stand, der eindeutig nicht Vincent Kompany war. Und der doch die Anweisungen gab. Pavlović und Kane treffen für den FC Bayern Alle, die es noch nicht wussten, sollten aber spätestens seit diesem Spiel wissen, wer der Mann ist: Aaron Danks, der Assistenztrainer des FC Bayern, der sich um die sogenannten Standardsituationen kümmert. Die sind in dieser Saison gut, die Eckbälle sogar sehr gut. Und weil die Eckbälle in der 16. und 20. Minute mit einem Tor von Aleksandar Pavlović (haltbar) und einem von Harry Kane (unhaltbar) endeten, stand es schon früh 2:0. In den nächsten 48 Spielminuten, in denen die Bayern dann nicht mehr machen mussten und die Frankfurter nicht mehr machen konnten, passierte auf dem Fußballfeld nichts Nennenswertes, weshalb man sich dem Drumherum widmen konnte. Who? Das war am Freitag nämlich auch die Antwort, als Albert Riera in der Pressekonferenz vor dem Spiel in München auf Kritik von Max Kruse und Martin Harnik angesprochen wurde. In einem Podcast hatten die früheren Fußballspieler dem neuen Trainer der Eintracht vorgeworfen, dass der „ein bisschen zu viel Show“ mache. Damit konfrontierte ein Reporter der „Bild“-Zeitung dann Riera. Und der Showman hatte eine wunderbare Antwort, als er, angesprochen auf die Kritik von Kruse und Harnik, sagte: „Who? Who?“ Auch das wäre alles nicht weiter nennenswert gewesen, wenn nicht am späten Freitagabend um 22:33 Uhr auf dem Kanal von Eintracht Frankfurt auf der Plattform X eine Stellungnahme dazu erschienen wäre. Dort stand an die Reporterinnen und Reporter der „Bild“-Zeitung adressiert: „Liebe @BILD_Eintracht, lasst uns doch darauf einigen, dass sich Fragen an unseren Cheftrainer in Pressekonferenzen nicht auf Meinungen aus einem Podcast stützen sollten, in dem von einem der beiden Hosts bereits der Pe*** durchs Internet gegeistert ist. Alles andere wäre doch unseriös. Danke.“ So musste man sich dann doch einer weiteren W-Frage widmen: What? Dazu drei Anmerkungen: Erstens sollten alle Reporterinnen und Reporter, auch die der „Bild“-Zeitung, bitte selbst entscheiden dürfen, auf Basis welcher Meinungen sie dem Trainer Fragen stellen. Zweitens geistert ein Video von Max Kruses Penis nicht deswegen durchs Internet, weil er es veröffentlicht hat, sondern, so Kruses Darstellung, weil eine frühere Partnerin es weitergeleitet hat und es daraufhin veröffentlicht worden ist. Und auch wenn damit in diesem Fall die fehlende Seriosität der Eintracht dokumentiert ist, vermittelt man, drittens, Seriosität nicht dadurch, indem man das Wort Penis mit Sternchen schreibt. Zurück zum Wesentlichen. Und zum nächsten Teil der Who-Frage: Wer kann den FC Bayern in dieser Bundesligasaison auf dem Weg zur Meisterschaft noch stoppen? Die Frankfurter nicht. Sie kamen nach dem 3:0 durch Harry Kane (68. Spielminute) noch einmal heran. Weil die eingewechselten Stürmer Jonathan Burkardt und Arnaud Kalimuendo von einem Strafstoß (Burkardt, 77.) und von Ungenauigkeiten Urbigs, Kimmichs und Kims (86., Kalimuendo) profitierten, stand es plötzlich nur noch 2:3. Doch mit diesem Ergebnis endete das Spiel. Womit die vermutliche letzte realistische Antwort auf die Frage, wer die Meisterschaft des FC Bayern verhindern kann, lautet: Borussia Dortmund, der Gegner der Bayern am kommenden Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky).
