Im Profifußball heißt es, es gebe keine wichtigen Spiele, weil es auch keine unwichtigen gebe. Wenn aber der Tabellensiebte auf den Tabellenachten der Bundesliga trifft und der siebte Rang vermutlich der letzte Platz sein wird, der die Tür zum Europapokal öffnet, dann ist das doch eines der wichtigeren Spiele. Die Frankfurter Eintracht, die in dieser Saison zwar nicht wenige Spiele gewonnen hat, aber kaum wichtige, stand vor dem Spieltag auf dem achten Platz. Einen Platz vor ihnen: der SC Freiburg. Nach dem Spiel am Sonntagabend tauschten die beiden Klubs ihre Plätze. Die Eintracht gewann 2:0 (0:0), sie ist nun Siebter. Für Albert Riera, den immer noch neuen Trainer der Frankfurter, ist das ein erster Erfolg. Schon vor zwei Wochen hatte seine Mannschaft im ersten Heimspiel ihres neuen Coachs 3:0 gegen Mönchengladbach gewonnen. Schon da hatte er seine Spieler neu positioniert, auch eine Woche später beim ansehnlichen 2:3 in München. An diesem Frühlingsabend, dem ersten, an dem man 2026 bedenkenlos aus der Stadt in den Wald radeln konnte, schob Riera den Rechtsverteidiger Nnamdi Collins nach links und den Linksverteidiger Nathaniel Brown nach rechts. Von dort schoss Brown in der 23. Minute das erste Mal gefährlich aufs Tor. Freiburgs Noah Atobolu wehrte zur Seite ab, vor die Füße von Eintracht-Stürmer Jonathan Burkardt. Auch dessen Nachschuss parierte Atobolu stark. Und fünf Minuten später ein drittes Mal, als der junge SC-Torhüter einen Schuss von Arnaud Kalimuendo aus dem Toreck schaufelte. Santos am Knie verletzt Und Atobolus Kollegen? In den Momenten, in denen die Freiburger nach vorne kamen, fehlte ihnen der Mut. In der Tabelle aller Spiele steht der Sportclub auf dem siebten Platz. Wenn man aber nur die Spiele in Stadien jenseits des Breisgaus zählt, kommen die Freiburger auf zwei Siege. In der Auswärtstabelle stehen sie damit auf dem 13. Platz. Das entsprach ihrer Leistung in Frankfurt. Einmal kombinierten sie sich auf der linken Seite an der Abwehr vorbei, Christian Günter flankte auf den ehemaligen Eintracht-Stürmer Igor Matanovic, der zeigte, wieso es in Frankfurt nicht geklappt hat. Die Eintracht flankt selten, der SC dafür häufiger. Matanovic kann vieles in Ordnung, köpfen aber sehr gut. Er zirkelte den Ball kurz vor der Halbzeit mit seiner Stirn an den Pfosten. Kurz nach der Pause schoss Vincenzo Grifo hart ins Eck, aber der Eintracht-Torhüter wehrte den Ball zur Seite ab. Weil sich Schlussmann Kaua Santos früh im Spiel am Knie verletzt hatte, wechselte Riera Michael Zetterer ein. Die Eintracht kam in der zweiten Halbzeit träge ins Spiel. Man konnte sich fragen: Ist das eine Mannschaft, die unbedingt noch Siebter werden will? Aber man konnte auch zurückfragen: Ist der Sportclub eine solche Mannschaft? Schließlich hätten die Freiburger mit einem Sieg fünf Punkte Vorsprung herausgespielt, zehn Runden vor Schluss. Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche sagte später: „Freiburg ist eine gute Mannschaft, wir wollten keinen offenen Schlagabtausch, sondern Kontrolle.“ Kontrolle allein war nicht genug, die Eintracht musste gewinnen, wollte sie an Freiburg vorbei. Unter der Woche hatte der Trainer gesagt: Er kann seine Spieler mittlerweile riechen. Das ist eigentlich romantischen Beziehungen vorbehalten, aber kein Problem: Der Spanier schwärmte auch von der „neuen Liebe“ zwischen ihm und seinen Spielern. Auf dem Platz schien es zeitweise, als hätten zwei Eintracht-Spieler ein besonderes Verständnis füreinander entwickelt: die Stürmer Jonathan Burkardt und Arnaud Kalimuendo. Sie spielten sich, wie schon in München, schnell durch die Freiburger Reihen. „Fußball ist ein Geduldsspiel“ Das war gut, aber erfolglos. Riera wechselte nach 63 Minuten zum ersten Mal. Einer von ihnen war Mittelfeldspieler Farès Chaibi. Mit seinen beiden ersten Aktionen leitete der Algerier zwei Frankfurter Konter ein. Und der dritte endete bei ihm. Collins hatte einen Fehlpass von Matthias Ginter abgefangen und zu Chaibi gespielt, er schoss mit seinem schwachen linken Fuß ins rechte Eck (64. Minute). Da war es also, Rieras Näschen. Eine Viertelstunde später, nach 81 Minuten, lupfte Chaibi über einen Freiburger Verteidiger hinweg auf Jean-Mattéo Bahoya. Der Franzose wiederum lupfte über Atobolu – 2:0. „Fußball ist ein Geduldspiel“, sagte Krösche später. „Und wir hatten die Geduld.“ Als das Warten auf die Tore ein Ende hatte, zeigte die Eintracht noch ein paar schöne Konter. Und ein Spiel, das eine Mannschaft mit Selbstbewusstsein bestimmt. „Wir haben einen anderen Zug auf dem Platz“, lobte Vorstandssprecher Axel Hellmann. Jeder konnte sehen: Das war ein wichtiges Spiel für die Frankfurter – und ein wichtiger Sieg. Auf den Rängen, auf denen die meisten standen, sangen die Zuschauer: Die SGE ist wieder da. Es riecht nach Frühling im Frankfurter Süden.
