In den nächsten 17 Tagen wird die Stuttgarter Innenstadt wieder von Schwaben in Lederhosen und Dirndln dominiert, die Spaß daran haben, den Bayern auf der Wiesn Konkurrenz zu machen. Das pietistische Stuttgart, das mittlerweile genauso feierfreudig ist wie alle anderen deutschen Großstädte, feiert nämlich bis zum 11. Oktober auf dem Wasen den Sommerausklang und den Herbstbeginn. Im vergangenen Jahr kamen zum zweitgrößten Volksfest Deutschlands 4,2 Millionen Besucher. Trotz anhaltender Wirtschaftskrise und trotz einiger Großdemonstrationen gegen die drohende Schließung von Autowerken rechnen die Veranstalter auch in diesem Jahr wieder mit einer ähnlich hohen Besucherzahl. Offiziell eröffnet ist das Fest, das der württembergische König Wilhelm I. nach schweren Hungersnöten gegründet hatte, wenn der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) den Fassanstich hinter sich gebracht hat. Dafür brauchte er am Freitagnachmittag vier Schläge. Neu ist ein 65 Meter hohes Riesenrad Für den ausgesprochen feierfreudigen Nopper, der wie fast alle Oberbürgermeister mit drastischen Steuerausfällen und Haushaltskürzungen zu kämpfen hat, ist der Eröffnungsakt der schönste Tag im politischen Jahr. Mehr als 200 Schaustellerbetriebe und acht Festzelte sind in den vergangenen Wochen für die Besucher auf der Wiese am Neckar und in der Nähe des Untertürkheimer Mercedes-Werks aufgebaut worden. Eine Maß kostet zwischen 15 und 16 Euro. Neu auf dem Fest ist ein 65 Meter hohes Riesenrad. Die „Wasenboje“ als Anlaufstelle für Mädchen und Frauen, die sexuell belästigt werden oder die sich auf der Festwiese unwohl fühlen, wird am westlichen Eingang in der Nähe der Polizeiwache aufgebaut sein. Die Finanzierung dieser Anlaufstelle war lange umstritten. Vom 27. September bis zum 4. Oktober findet auf einer gesonderten Ausstellungsfläche das „Landwirtschaftliche Hauptfest“ statt, das ist die größte Landwirtschaftsmesse in Süddeutschland. In diesem Jahr wird die Messe durch eine Sonderschau zur Kälberhaltung ergänzt. Das Hauptfest findet alle vier Jahre statt und wird auch „kleiner Wasen“ genannt.
