FAZ 24.01.2026
17:52 Uhr

1:3 gegen Hoffenheim: Die Stimmung bei den Fans in Frankfurt kippt


Die Frankfurter führen gegen Hoffenheim, verlieren aber doch – und kassieren schon wieder drei Gegentore. Die Eintracht schlittert teilnahmslos in die Krise. Die Quittung kommt von den Zuschauern.

1:3 gegen Hoffenheim: Die Stimmung bei den Fans in Frankfurt kippt

Ist ein Mensch in einer Stresssituation überlastet, kann sein Körper in einen Schreckzustand fallen. Es scheint dann, als könne er nicht mehr reagieren, als wäre er eingefroren. Normalerweise hält dieser Zustand nur wenige Sekunden an. Bei der Frankfurter Eintracht ist diese Reaktion in den vergangenen Wochen immer mal wieder zu beobachten. Meist dauert sie länger als ein paar Sekunden. Sie endet erst, wenn die Frankfurter ein Spiel in wenigen Minuten hergegeben haben. Gegen die TSG Hoffenheim waren es 13 Minuten, in denen die Eintracht nach dem ersten Gegentor nicht mehr am Spiel teilnahm. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, singen die Fans Sie verlor am Samstagmittag 1:3, obwohl sie 1:0 geführt hatte. Das alles – die Minuten der Apathie, die vielen Gegentore – ist bekannt. Was neu ist: Nach dem 1:2 rollten die Frankfurter Fans ihre Fahnen ein; sie sangen: „Wir wollen euch kämpfen sehen.“ Nach dem dritten Gegentor pfiffen sie. Es war das erste Mal in dieser Saison, das erste Mal seit Jahren. Schon Minuten vor dem Spielende waren viele Plätze auf der Tribüne leer, nach dem Schlusspfiff pfiffen die verbliebenen Fans noch lauter. Die Eintracht schlittert weiter teilnahmslos in die Krise. Es scheint, als könne sie zurzeit niemand wachrütteln. Dabei setzte der Schreckzustand dieses Mal erst relativ spät ein: Bis zur 52. Minute führten die Frankfurter, nachdem ihr Winterzugang Arnaud Kalimuendo mit seinem schwachen linken Fuß schön an Nationaltorhüter Oliver Baumann vorbeigeschossen hatte (18. Minute). Hoffenheim, als Dritter mit dem Bus über die A5 nach Frankfurt gereist, war die Mannschaft, die häufiger den Ball führte. Aber die Eintracht zeigte den Fußball, den ihre Fans in den vergangenen Monaten vermisst hatten. Wenn sie den Ball gewann, spielte sie schnell nach vorne. Dort waren Uzun und Ritsu Doan so positioniert, dass man ihnen dabei zusehen konnte, was sie am besten können: mit dem Ball am Fuß auf den gegnerischen Strafraum zustürmen. Auf der Tribüne konnte man nun Zuschauer beobachten, die an ihren Fingern abzählten, wie lang es wohl dauern würde, bis Hoffenheim trifft. Schließlich hatte die Eintracht zuletzt ihre Führungen schneller hergegeben, als die Flugzeuge hinter dem Waldstadion verschwinden. Diesmal nicht: Die Frankfurter verteidigten tief in ihrer Hälfte, Torwart Kaua Santos flog einem Ball hinterher und lenkte ihn um den Pfosten. Kurz vor der Halbzeit köpfte TSG-Stürmer Wout Burger aus fünf Metern auf Santos. Der Brasilianer konnte den Ball erst nur in die Luft baggern, dann fing er ihn. Es war das erste Mal seit Wochen, dass Santos einen Ball hielt, den nicht jeder Torhüter hält. Die Zuschauer jubelten. Ein paar Minuten später stürmte ein Hoffenheimer Stürmer auf ihn zu. Wie beim Futsal zog Santos den Ball zurück und dribbelte vorbei. Nach allem, was in den vergangenen Wochen geredet worden ist, war das bemerkenswert. Aber auch vor allem, was danach passierte. Denn nach 34 Minuten konnten die Zuschauer ihre Zählerei beenden. So lange hatte es diesmal gedauert, bis die Eintracht den Ausgleich hinnehmen musste. Wieder war sie simpel über die Flügel überspielt worden, wieder flankte ein TSG-Angreifer ohne Gegenwehr in die Mitte, wieder köpfte dort ein Stürmer ins Eintracht-Tor. Diesmal hieß er Max Moerstedt (1:1, 52. Minute). Santos wirkte hilflos. Im fünften Spiel zum fünften Mal drei Gegentore Acht Minuten später hieß der freistehende Hoffenheimer Spieler Ozan Kabak – Kopfball, Tor, 1:2 (60. Minute). Und wieder fünf Minuten später Vladimir Coufal, diesmal von der rechten Seite (1:3, 65. Minute) nach einer abgefälschten Flanke. Bei allen drei Toren standen die Eintracht-Verteidiger ein paar Meter weg, wie erstarrt. Im fünften Spiel haben sie nun zum fünften Mal drei Gegentore hinnehmen müssen. In der zweiten Halbzeit hatte die Eintracht keine einzige Chance – und das gegen einen Gegner, den sie häufig schlägt. Von den vergangenen 15 Spielen gegen Hoffenheim hatte sie elfmal gewonnen. Als das Spiel entschieden war, schwenkten die Kameras auf die Bank. Dort sah man die Eintracht-Spieler, die Arme verschränkt, mit bösem Blick aufs Feld schauen. Davor rannte Trainer Dennis Schmitt auf und ab, einmal hörte man seine Schreie bis hoch in den Oberrang. Von dem lauten, furchteinflößenden Stadion, von dem auch die Hoffenheimer Spieler in den vergangenen Jahren immer wieder schwärmten, war wenig übrig. Der Schreck erreichte auch die Tribüne. Der Gang in die Kurve sei für die Spieler „sehr schwierig“ gewesen, sagte Abwehrspieler Aurele Amenda bei Sky, trotz des ungebremsten Sturzfluges und der anhaltenden Gegentorflut sollten die Fans jedoch wissen, „dass wir alles geben. Im Moment ist es nicht einfach. Das ist wieder ärgerlich, aber wir müssen zusammenbleiben“. In einer Woche soll dem Vernehmen nach ein neuer Coach kommen, nach dem Leverkusen-Spiel. Es scheint, als halte die Starre der Eintracht noch ein paar Tage an.