FAZ 06.05.2026
23:00 Uhr

1:1 im Rückspiel: Bayern scheidet gegen PSG aus der Champions League aus


Der FC Bayern hat das Finale der Champions League verpasst. Osmane Dembélé schockt die Münchner früh, dann laufen sie lange vergeblich an. Harry Kanes Tor kommt zu spät.

1:1 im Rückspiel: Bayern scheidet gegen PSG aus der Champions League aus

Der Abend hatte mit einem Donnerschlag begonnen. Kurz vor dem Anpfiff zündete ein Feuerwerkskörper im Pariser Block hoch oben unter dem Dach des Münchner Stadions. Nur ein paar Minuten später war es dann gleich der erste Angriff von Paris Saint-Germain, der zündete. Es war in diesem Moment nicht abzusehen, dass dieser erste auch für sehr lange Zeit der letzte Treffer sein würde in diesem Duell, das vor einer Woche noch neun Tore hervorgebracht hatte. Und als es so weit war, war es aus Sicht der Bayern fast schon zu spät. Harry Kane glich in der vierten Minute der Nachspielzeit zwar noch die Pariser Führung durch Ousmane Dembélé aus der dritten Minute aus. Aber nach dem 4:5 im Hinspiel war dieses 1:1 am Mittwochabend zu wenig für die Münchner. Als der portugiesische Schiedsrichter Joao Pinheiro abpfiff, bevor die Bayern dem Tor noch einmal nahegekommen waren, donnerte Kapitän Joshua Kimmich den Ball mit der Faust zu Boden und stürmte wutentbrannt auf den Unparteiischen zu. Das änderte aber nichts mehr daran, dass der Titelverteidiger aus Paris dem FC Arsenal ins Finale am 30. Mai in Budapest folgt, wo statt einer halben bayerischen WM-Startelf nun allein Kai Havertz den deutschen Fußball vertreten wird. Nach etwas anderem, so ehrlich müssen die Bayern zu sich selbst sein, sah es am Mittwochabend auch zu keinem Zeitpunkt aus, nachdem Dembélé dem Abend den Weg gewiesen hatte. Es war ein typisches Tor für dieses Duell unter Europas offensivsten Fußballmannschaften, aber eines, das die Münchner ein Stück weit naiv aussehen ließ. Der Weg nach vorn mag Vincent Kompanys Bayern im Blut liegen, in diesen ersten Minuten wäre es aber allemal besser gewesen, sie hätten ihren Kopf eingeschaltet. Es war nur ein Fehler, aber es war an diesem Abend auch schon der eine zu viel. Von nun an war Paris nicht nur mit zwei Toren vorn, sondern obendrein mit dem Vorteil ausgestattet, mit jedem Konter der Entscheidung ganz nahe kommen zu können. Die Bayern machten aus dem Tanz auf Messers Schneide lange Zeit das Beste, was möglich schien, sie schoben das Spiel druckvoll, aber nicht kopflos nach vorn, sie sorgten vor der Pause zunehmend für Gefahr, gerieten aber selbst nicht oft in solche. Aber weil die Franzosen diesmal nicht die Liebe zum Spiel zelebrierten, sondern es auch verstanden zu leiden, liefen die Bemühungen entweder gegen Wände oder, mit zunehmender Spielzeit immer öfter, ins Leere. Im Vergleich zum 5:4 vor einer Woche fehlte es dieser Partie zwar nicht an Intensität, jedenfalls nicht in den ersten 45 Minuten, aber neben den Toren auch die fußballerischen Spitzen. Ein Spiel der Trainer sollte es werden Mit größeren Erwartungen ist selten ein Fußballspiel angepfiffen worden. Die Huldigungen der Vorwoche waren noch frisch nach diesem Spiel der Spiele von Paris, und auch die Zuschauer waren in den allumfassenden Superlativ einbezogen. Nur die fittesten, hatte Kompany gesagt, sollten in die Münchner Arena kommen. Er selbst war nach seiner Sperre zurück von der Tribüne, in der Zone, wo er ganz nahe daran ist, an dem Fußball-Meisterwerk, das er geschaffen hat. Und bei dem sich an diesem Abend darum ging, den Schritt von groß zu ganz groß zu machen. Ein Spiel der Trainer sollte es werden, eines der Köpfe, aber vor allem eines der Lust und Leidenschaft. Das hatten beide Trainer so angekündigt. In beiden Teams gab es eine personelle Veränderung. Luis Enrique auf Pariser Seite musste den verletzten Hakimi ersetzen, das tat er, indem er Zaire-Emery auf die Position des Rechtsverteidigers zurückzog. Für Kompany lautete die Frage: Davies (wie in Paris in Hälfte eins) oder Laimer (wie in Hälfte zwei), größtmögliches Tempo oder größtmögliche Verlässlichkeit? Er entschied sich für Letzteres. Wobei es mit der vermeintlichen Verlässlichkeit schnell dahin war. Ein Doppelpass hebelt die Bayern aus Laimer war nicht unbedingt der Vorwurf zu machen, als es nach 2 Minuten und 21 Sekunden in Neuers Tor einschlug. Es war eher das Risiko, das dem Bayern-Spiel insgesamt eingeschrieben ist. Alle waren gedanklich auf dem Weg nach vorn, als einmal Quer-Steil genügte, um alles ins Wanken zu bringen. Die entscheidende Ballberührung kam von Fabián Ruiz an der linken Außenlinie, Kwarazchelia hatte nach vorn freie Bahn und besaß das Auge, Dembélé frei vor dem Tor zu erkennen. Viele Menschen hätten – oder hatten – ein Vermögen gezahlt, um dieses Spiel zu sehen. Freie und beste Sicht hatten die beiden Männer, die ganz unterschiedlich ganz in schwarz gekleidet waren, Enrique und Kompany. Sie waren in der ersten Hälfte hautnah dran an den Duellen, die das Spiel zu Beginn prägten. Kwarazchelia gegen Laimer und manchmal auch Upamecano, Olise gegen Nuno Mendes. Die ersten Punkte gingen an Paris, nicht nur wegen des Tores. Laimer geriet bei Kwarazchelias Drehungen immer wieder in Schwindelgefahr, auf der anderen Seite war Mendes immer dann zur Stelle, wenn er gebraucht wurde – einmal allerdings auf Kosten einer frühen Gelben Karte, was dem Duell, wie noch zu sehen sein würde, einen besonderen Thrill gab. Erst einmal aber war in der 15. Minute Präzision bei einem Block in höchster Not gefragt, nachdem auf der anderen Seite Luis Diaz einen Ball erobert und scharf und flach vor das Tor gepasst hatte. Überhaupt waren die Bayern nun vor allem dann gefährlich, wenn es über links ging. Ein Schlenzer von Diaz strich knapp vorbei. Bei einem weiteren von Olise fehlte aber auch nicht viel. Bayern fordern Elfmeter Nach rund einer halben Stunde schwoll die Laustärke in der Arena zu einem Orkan an, Fans aber auch Spieler schrien ihren Frust über die Auslegung der Handspielregel heraus. Zuerst, als sie Nuno Mendes mit Gelb-Rot bedacht sehen wollten, doch Schiedsrichter Pinheiro hatte vorher auf Handspiel Laimers erkannt. Und mehr noch, als Vitinha den Ball aus dem Strafraum dreschen wollte, dieser aber an den – abgespreizten – Arm von Joao Neves donnerte. Dies nicht als Absicht zu werten, lag im Sinne der Regel wie des Spiels. Es war aber klar, dass von nun an nicht nur der Lautstärkeregler nach oben geschoben wurde, es war überall Intensität im roten Bereich – mit Vorteilen für die Roten. Bundestrainer Nagelsmann, diesmal auch mit Lust auf den Stadionbesuch, konnte erfreut registrieren, dass Musiala wieder nach früherer Art in die Bewegungen und ins Spiel kam. In der 44. Minute scheiterte er zweimal nur knapp. Nach der Pause schrumpfte das Spiel der Spiele zu einer gewöhnlichen Partie, in der es auch knirschte und krachte – nur eben nicht mehr vor dem Tor. Die Münchner mühten sich, hin und wieder erhoben sich die Zuschauer erwartungsvoll, wenn Olise oder Diaz ins Tempo gingen, oder als Kimmich sich den Ball zum Freistoß zurechtlegte, aber ein Flow wollte sich nicht einstellen. Zu viele Bälle landeten auch im Nirgendwo. Das Glück der Bayern war es, dass sich auch Paris nicht viel präziser anstellte. Chancen gab es auch so, etwa als nach einer knappen Stunde – natürlich – Kwarazchelia wieder loslegte, Upamecano düpierte, und Neuer gerade noch per Fuß parierte, oder wenig später, als Doué den Bayern-Torwart zu einer Bodenparade zwang. Er hielt die Münchner in dieser Phase im Spiel Kompany wechselte, aber erst einmal ohne Impuls nach vorn, Davies und Kim kamen für Stanisic und Tah – eine halbe neue Viererkette. Später ersetzte Jackson den ausgepowerten Musiala, und sechs Minuten vor Ultimo auch der wieder fitte Karl für Upamecano. Den Treffer erzielte Kane, an dem das Spiel vorher weitgehend vorbeigelaufen war. Noch einmal Hoffnung für die Bayern, aber nur wenig später war es ganz vorbei.