Es roch nach Silvester, nach Schwefel und Feuerwerk. Der Rauch zog langsam von den Tribünen hinunter aufs Spielfeld und bescherte Albert Riera seinen ersten Auftritt. Die frühe Unterbrechung im Spiel beim 1. FC Union Berlin nutzte der neue Trainer von Eintracht Frankfurt, um die Seinen einzuordnen. Zuerst war Fares Chaibi an der Reihe, dann kam Arthur Theate dran. Riera gestikulierte, Riera erklärte mit Händen und Füßen. Zu sagen, der Neue sei an der Seitenlinie engagierter als seine Spieler, würde nicht der Wahrheit entsprechen, aber ein sehr aktiver Hingucker war der Trainer aus Spanien allemal. Albert Riera: „Ich habe viele positive Sachen gesehen“ Dass sein Debüt als Nachfolger von Dino Toppmöller nur in Teilen glückte, lag nicht an ihm. Riera bekam in 90 Minuten aus der Nähe aufgezeigt, wo er in den kommenden Wochen Arbeit investieren muss. „Ich habe viele positive Sachen gesehen, aber natürlich gibt es viel, das wir verbessern können“, sagte Riera nach dem 1:1 zum Einstand in Berlin. In Ansätzen wurde im Stadion An der Alten Försterei ersichtlich, wie der neue Frankfurter Fußball unter dem ehemaligen Nationalspieler Spaniens aussehen soll. Die Eintracht trat sehr selbstbewusst auf, allen Negativerlebnissen der jüngeren Vergangenheit zum Trotz. Sie hatte deutlich mehr den Ball als der Gegner, allein, es kam zunächst nicht viel dabei herum. „Ich möchte, dass wir auch im Ballbesitz aggressiv sind und den Gegner bewegen. Das ist uns in Ansätzen gelungen, aber wir müssen da noch kreativer werden“, sagte Riera. Eine Torchance, die den Namen verdient gehabt hätte, erspielte sich Frankfurt in der ersten Halbzeit nicht. Dafür brachte der viele Ballbesitz Sicherheit, und das war schließlich auch eine Verbesserung im Vergleich zu den Wochen davor. Die Null steht lange bei den Frankfurtern Hätte Robin Koch nicht einen haarsträubenden Rückpass gespielt, der aber folgenlos blieb, Union hätte abgesehen von einem Fernschuss durch Aljoscha Kemlein auch nichts Nennenswertes in Sachen Offensive beanstanden können. Die Null stand, und das bei einer Mannschaft, die zuletzt drei Gegentore pro Spiel hinnehmen musste. Der Riera-Effekt? Zur Wahrheit gehörte auch, dass Union recht ungefährlich daherkam. Gegen Theate, Koch und den nimmermüden Rasmus Kristensen konnten sich die Berliner Angreifer kaum durchsetzen. Nur einmal, da wurde es richtig gefährlich, als Derrick Köhn den Pfosten traf. Die Eintracht hatte in der zweiten Halbzeit auch eine Chance, die Oscar Hojlund aus leicht spitzem Winkel vergab. Bei so viel Ereignislosigkeit hatte Riera genug Zeit, sich den Leuten in seinem Rücken zuzuwenden. Immer wieder drehte er sich nach misslungenen Aktionen zu seinem Trainerteam oder den Ersatzspielern um und sprach mit ihnen. Dabei wirkten seine Erklärungen ähnlich gestenreich wie jene, die er an seine Spieler auf dem Feld adressierte. Besonders engagiert coachte er immer wieder den eigenen Ballbesitz, bei dem Frankfurt das Feld gezielt breit machte, ohne wirklich eine Lücke in das Berliner Abwehrbollwerk reißen zu können. Das Halbzeit-Motto: „Seid hungrig wie Löwen“ Dominanz ist Riera wichtig, der anscheinend auch ein Freund starker (Sprach-)Bilder ist. „Seid hungrig wie Löwen“, hatte er seinen Spielern in der Halbzeit gesagt. Das jedenfalls verriet Hugo Larsson, der auch sonst einige interessante Einblicke in die vergangenen Tage gewährte. Er habe noch nie so lange Sitzungen gehabt, erzählte der Schwede. Bis zu anderthalb Stunden dauerten die Unterredungen nach den Trainingseinheiten. „Wir hatten viel im Kopf“, sagte Larsson. „Der Trainer möchte, dass wir in jeder Situation wissen, was wir tun sollen. Deshalb gibt er uns viele Informationen.“ Überfrachtet wirkten die Frankfurter zu keiner Zeit, eher schon fehlte die letzte Genauigkeit im gegnerischen Drittel. „Mit dem Ball können wir es noch besser machen“, sagte Riera. Dass es doch noch ein aufregender Einstand für ihn werden sollte, lag an den letzten zehn Minuten. Nathaniel Brown traf einen Abpraller aus elf Metern perfekt, Unions Torwart Frederik Rönnow hatte keine Chance. Jubel bei allen Frankfurtern und Riera mittendrin. Geherzt wurde jeder, der in seine Nähe kam. „Ich möchte nicht nur über eine Aktion reden“ Das Hochgefühl war noch nicht verflogen, da ging Riera in die Knie, so als wolle er kaum glauben, was da am anderen Ende des Spielfelds passierte. Oscar Hojlund zog Rani Khedira völlig unnötig zu Boden. Weil er schon verwarnt war, musste er vom Feld, dazu gab es Elfmeter für Union, den Leopold Querfeld zum 1:1 verwandelte. „Oscar weiß, dass er in dem Moment blocken müsste, aber ich möchte nicht nur über eine Aktion reden“, sagte Riera. „Wir müssen dahin kommen, genug Chancen zu kreieren, um die Spiele zu gewinnen.“ In dieser Hinsicht wartet noch viel Arbeit auf den neuen Trainer von Eintracht Frankfurt.
