An einem Samstagvormittag kümmere ich mich um meine Darmgesundheit. Ich habe mir vorgenommen, Fermentieren zu lernen, und da mein Stiefvater nur Einwecken kennt, und das bei ihm immer ein ziemlicher Akt ist, weil ein ganzer Hain Marillen dafür herhalten muss, denke ich, Fermentieren wird schon besser sein. Gilt es doch als leichter und unkomplizierter als das Einlegen und Einkochen.
Da ich aber nicht weiß, wie das geht, öffne ich Youtube und treffe einen Mann, der sehr viel rülpst beim Fermentieren. Der auch sehr viel Augustiner trinkt beim Fermentieren. Außerdem vertritt er die Meinung, dass man keine Gewichte kaufen braucht, die das Gemüse unter der Salzlake halten, damit es nicht schimmelt. Weil komplett teuer und komplett überflüssig. Er nehme seine Schnapsgläser dafür; das Zimmer, in dem er sich filmt, ist ein Rohbau, die Wände bestehen ausschließlich aus Sperrholzplatten. Das gibt den Tipps eine angenehme Note von Devastation, und ich frage mich, ob ich drunter kommentieren sollte: „Ich habe leider gar keine Schnapsgläser.“
Aber das mache ich lieber nicht. Das führt zu unnötigen Diskussionen, ob ich ein Mann bin oder ein Mädchen. Ich glaube, man gilt als woke, wenn man keine Schnapsgläser hat. Ich versuche Eierbecher, aber die scheinen vom Porzellan her gänzlich ungeeignet zu sein. Danach desinfiziere ich einen gläsernen, runden Briefbeschwerer. Ich denke jedenfalls, dass es mal ein Briefbeschwerer war.
