Als vor ein paar Wochen bei der Art Basel in Miami, Amerikas wichtigster Kunstmesse, der Preis für den besten Künstler an Ibrahim Mahama vergeben wurde, applaudierten viele begeisterte Gäste, andere schauten etwas verdutzt: Ibrahim wer? Die Unwissenden – vor allem die, die den Namen des Künstlers dann auch noch mit dem des neuen Bürgermeisters von New York, Zohran Mamdani, durcheinander bekamen – ernteten strenge Blicke, und man hielt ihnen die „Power 100 List“ der Kunstzeitschrift „Art Review“ vor die Nase. Dort war Mahama gerade zum wichtigsten lebenden Künstler der Welt gewählt worden. Bisher war das in den meisten dieser Listen Gerhard Richter, der im „Kunstkompass“ sogar seit 2010, als sei er an dieser Position festgeleimt worden, auf Platz eins geführt wird; auch in internationaleren Top-100-Listen führt er traditionell mit Künstlern wie Jeff Koons und Damien Hirst das Feld an. Nun bilden solche Listen meistens nicht viel mehr als den Geschmack derer ab, die sie zusammenstellen – aber dass Mahama in der zur Mediengruppe des chinesischen Unternehmers Shao Zhong gehörenden „Art Review“ und bei der Art Basel zum wichtigsten Künstler unserer Zeit erklärt wird, zeugt trotzdem von einer Verschiebung der Gewichte in der globalen Kunstwelt, die ja seit Langem aus vielen Kunstwelten besteht, welche sich wie ferne, manchmal sogar verfeindeten Archipele misstrauisch betrachten.
