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03.01.2026
14:31 Uhr
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Über Hunde hat Thomas Mann sich oft liebevoller geäußert als über Menschen - waren sie ihm am Ende doch näher? Bestandsaufnahme keiner Nebensächlichkeit zum Ende des Jubiläumsjahrs.

Im Februar 1896 schrieb Thomas Mann, zwanzigjährig, an seinen Schulfreund Otto Grautoff über das Ringen mit einem Begehren, das er nicht leben zu dürfen glaubte. Die Rede ist von einem „langsamen, behutsamen Schwächen und Abdorrenlassen des Triebes“, begleitet von der Zuversicht, das werde „die Hunde im Souterrain schon an die Kette bringen“. Das Bild stammt aus Nietzsches „Genealogie der Moral“, wo von „Ruhe in allen Souterrains“ die Rede ist und von jenen Kräften, die man im Untergeschoss der Seele fesselt, damit das Leben überhaupt im Gleichmaß verlaufen kann. Für Mann wurde daraus eine Maxime: Disziplin und Form als Voraussetzung eines inneren Gleichgewichts; die Hunde mussten gebändigt werden.
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