FAZ 24.11.2025
09:28 Uhr

(+) Streit in der Union: Die Rentengrafik, die Merz ärgert


Ein Rentenstreit bringt die Regierung unter großen Druck. Worum geht es da? Diese Linien machen alles deutlich.

(+) Streit in der Union: Die Rentengrafik, die Merz ärgert

Alles begann im Jahr 2007. Damals war schon absehbar, dass die Rente demographische Probleme bekommen würde. Denn die Menschen werden immer älter und bekommen weniger Kinder. Deshalb wurde eingeführt, dass die Rente schrittweise immer später beginnt. Im Jahr 2031 wird das abgeschlossen sein; wer dann ohne Abschläge in Rente gehen will, muss bis zum 67. Geburtstag warten. Doch das allein gleicht nicht die ganze Demographie aus. Zahlten 1990 noch 27 Beitragszahler für zehn Rentner, waren es 2007 nur noch 21 – und im Jahr 2035 werden es wahrscheinlich 18 sein. Um die Beiträge trotzdem bezahlbar zu halten, wurde ein sogenannter „Nachhaltigkeitsfaktor“ eingeführt. Die Regel besagt: Wenn sich das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern ändert, wirkt sich ein Viertel dieser Änderung auf die Höhe der Rente aus. Auch wenn die Rentenversicherung ihre Beiträge erhöht, wachsen die Renten langsamer. Die Wirkung wäre, dass die Renten auf Dauer langsamer wachsen als die Löhne der arbeitenden Bevölkerung.

Mütterrente, Haltelinie, Frühstartrente: Junge Unionsabgeordnete erhalten Unterstützung im Rentenstreit. Gegen das Vorhaben der Regierung stellen sich viele Fachleute.

Beim Rentenstreit wird mit immer härteren Bandagen gekämpft. Auch die Opposition gießt Öl ins Feuer. Die Linke attackiert die Junge Gruppe und fordert ein Ende des Sparens.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger wünscht sich Standfestigkeit der jungen Rentenkritiker und einen Reformkanzler Merz. Bis ins nächste Frühjahr gibt er der schwarz-roten Koalition noch Zeit. Eine Minderheitsregierung lehnt er ab.

Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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