In Derry ist selbst ein Cappuccino politisch. Wir stehen vor einer mobilen Kaffeebar mitten im katholischen Arbeiterviertel Bogside, und während wir darauf warten, dass unsere Milch aufschäumt, plaudern wir mit der freundlichen Barista. Als wir wissen wollen, ob sie ihren Coffee Truck mitunter auch in protestantischen Stadtteilen aufstellt, schaut sie uns an, als hätten wir sie gefragt, warum sie ihre Siebträgermaschine nicht im Löwenkäfig aufbaut. Sie lehnt sich zu uns hinaus über die Theke und zeigt nach oben auf den Namen, der an ihrem Wagen prangt. „Free Derry Coffee“ steht dort. „Ich bin doch nicht verrückt und stelle mich mit diesem Namen in ein protestantisches Viertel“, sagt sie und dreht sich um, denn der Espresso ist durchgelaufen.
