Etwas außer Atem, aber pünktlich steht Didier Eribon in der Tür. Das Interview findet im Lesezimmer eines kleinen Hotels im Frankfurter Bahnhofsviertel statt. In Deutschland und auch in Frankfurt ist er schon oft gewesen, bei seiner Lesung am Abend an der Uni Frankfurt wird der Saal voll sein – wie zumeist bei ihm. Das verdankt der französische Intellektuelle vor allem dem Bestseller „Rückkehr nach Reims“ (2016), der hierzulande 118.000-mal verkauft wurde. Darin beschreibt Eribon seinen Bildungsaufstieg vom Arbeiterkind in der Provinz zum gefeierten Pariser Soziologen. Er ist ein Bühnenprofi, sollte man meinen. Beim Gespräch wirkt er jedoch unerwartet schüchtern, zieht die Hemdärmel verlegen über die Handgelenke. Dabei ist er es gewohnt, über Privates zu sprechen. Sein jüngstes Buch „Eine Arbeiterin. Leben, Alter und Sterben“ handelt von den letzten Wochen seiner Mutter im Pflegeheim. Und wie stets verbindet er auch hier persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Analysen.
