Das Chaos ist aufgebraucht, heißt es bei Brecht, es war die beste Zeit. Zwar sind die Kölner Bühnen nach vierzehnjähriger Sanierungsdauer am Donnerstag letzter Woche mit einem Gala-Abend endlich wiedereröffnet worden, aber Köln wäre nicht Köln, wenn sich die Stadt von einem wie Brecht sagen ließe, wann ihre nicht unbeträchtlichen Chaos-Vorräte erschöpft seien. Um die künftige Nutzung des Depots, der ehemaligen Interims-Spielstätte im Stadtteil Mülheim, ist eine heftige Debatte entbrannt, sogar von Wortbruch seitens der Stadtverwaltung ist die Rede, und noch bevor Hamburgs Kultursenators Carsten Brosda in seiner Eigenschaft als Präsident des Deutschen Bühnenvereins seine brillante Eröffnungsrede über Wesen, Rang und Funktion der Kultur in einer Gesellschaft gehalten hatte, wurde publik, dass die Bühnentechnik des Opernhauses noch immer erhebliche Mängel aufweist. Die lokale Presse schrie Zeter und Mordio. Sogar von einer Verschiebung der Eröffnungspremiere des „Rosenkavaliers“ wurde gemunkelt. So schlimm kam es dann doch nicht.
