In seinem Buch über „Frauen in der Kunst“ kritisierte der Wiener Kunsthistoriker Peter Gorsen 1980: „Wir wissen viel zu wenig über die Geschichte künstlerisch arbeitender Frauen.“ Deshalb sei „eine systematische feministische Kunstgeschichte trotz ernsthafter Ansätze ziemlich illusorisch“. Dies hat sich seither grundlegend geändert. Die wissenschaftliche Literatur zu diesem Forschungsfeld ist fast unüberschaubar geworden. Auch der Ausstellungsbetrieb ist heute ein anderer: Seit etwa zwei Jahrzehnten präsentieren Museen weltweit verstärkt sowohl bekannte als auch zuvor nicht wahrgenommene Künstlerinnen in Einzel- und Gruppenausstellungen. Nichts ist im internationalen Museumsbetrieb momentan beliebter und populärer als Ausstellungen mit Kunst von Frauen. Manche Institutionen, wie etwa die Neue Nationalgalerie in Berlin und die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, haben zugleich ihre Sammlungspolitik geändert und erwerben strategisch Werke von Künstlerinnen, um ihnen die damit verknüpfte Anerkennung zuteilwerden zu lassen. Auch der Kunstmarkt zieht mittlerweile nach, obwohl für Arbeiten von Männern meist immer noch deutlich mehr gezahlt wird als für Werke von Frauen.
