Die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland kam überraschend. Die Tiere waren im 19. Jahrhundert weitgehend ausgerottet, als sie in den Neunzigerjahren dann unter Schutz gestellt wurden, gingen auch Wissenschaftler davon aus, dass sich vielleicht einige wenige Rudel in abgeschiedenen Regionen ansiedeln würden. Der Wolf ist ein Tier der Einsamkeit, er gehört in den Wald. Nach der Wiedervereinigung aber kam es anders: Die Tiere wanderten aus Polen ein und fanden in den aufgegebenen militärischen Sperrgebieten ein perfektes neues Zuhause. Dort blieben sie nicht. Innerhalb von drei Jahrzehnten haben sich in Deutschland 219 Rudel, mehr als 40 Paare und einige Einzeltiere angesiedelt. Wohlgemerkt in einem Land, das wie kein anderes in Europa von Autostraßen und Schienen zerschnitten ist, in dem die Landschaften durch Felder und Siedlungen geprägt sind und sich Städte immer weiter ins Umland ausdehnen. Offenbar hat der einsame Wolf kein Problem mit menschlicher Nachbarschaft.
