FAZ 13.11.2025
21:38 Uhr

(+) Industriesterben: Musterländle im freien Fall


Richard Arnold ist in Schwäbisch Gmünd geboren und hat in der Härterei gejobbt. Als er Oberbürgermeister wurde, gab es bei Bosch noch 6000 Beschäftigte. Jetzt herrscht Stille. Tschernobyl-like, klagt er.

(+) Industriesterben: Musterländle im freien Fall

Eine riesige Asphaltfläche in der Nachmittagssonne. Nur wenige Dutzend Autos verlieren sich auf dem Parkplatz am Werk 2 von Bosch in Schwäbisch Gmünd. Es ist ein Dienstag im Oktober, kurz nach 14 Uhr, eigentlich Zeit für den Schichtwechsel im Schießtal, wie die Einheimischen die Fabrik an dem Sträßchen nach Herlikofen nennen. Doch nur ein Mitarbeiter der Werkinstandsetzung ist zu sehen. Mit einem Laptop kontrolliert er Straßenleuchten an den Parkbuchten. „Wir wissen nicht, was mit den Hallen passiert, alle drei Wochen kommen neue Anweisungen. Keine Ahnung, ob sie verkauft oder vermietet werden“, sagt er.

Gewerkschaftschefin Christiane Benner wirft den deutschen Chefs Planlosigkeit vor. Im Interview warnt sie davor, dass zunehmend jüngere Arbeiter von den Sparprogrammen der Unternehmen betroffen sein werden.

Ein Jahr herrschte bei ZF Funkstille zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretung. Eine Lösung für die defizitäre Antriebssparte schaffte Frieden – vermeintlich. Personalchefin Lea Corzilius und IG-Metall-Funktionärin Helene Sommer haben noch viel zu klären.

Ola Källenius denkt um. Der Schwede will den ältesten Autohersteller der Welt aus der Krise führen. Da liegt einiges vor ihm.

Wirtschaftskorrespondent für Baden-Württemberg.

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