FAZ 02.03.2026
06:49 Uhr

(+) Humboldt-Archäologie: Sparpolitik mit der Abrissbirne


Hinter der geplanten Schließung des Instituts für Archäologie an der Humboldt-Universität steht ein kopfloser Plan. Die Hochschule scheint sich für ihre Tradition zu schämen.

(+) Humboldt-Archäologie: Sparpolitik mit der Abrissbirne

Als die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) vor wenigen Tagen ihre Absicht bekannt gab, ihr archäologisches Institut aufzulösen, glaubten viele nicht richtig zu hören. Welche Universität opfert ohne Not ein berühmtes Institut? Die Universitätsleitung beruft sich auf die Vorgaben des Berliner Senats, der von ihr verlangt, bis 2028 einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr zu sparen. Die Abwicklung weiterer archäologischer Professuren würde die Universität aber erst viel später entlasten. In der Mitteilung der Universität klingt das Vorhaben freundlicher. Dort ist zu lesen, man wolle das Institut Mitte der Dreißigerjahre in eine neu konzipierte Altertumswissenschaft überführen. Die Ar­chä­o­logie firmiert in der neuen Struktur nur noch als schwach definierte „Kompetenz“, was offenlässt, ob sie überhaupt noch durch Professuren vertreten wäre.

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Im Ludwigshafen-„Tatort“ heißt es: Radfahrer gegen SUVs. Daraus könnte leicht ein Gut-gegen-Börse-Erzählmuster entstehen. Hier jedoch sind Tugenden und Laster verteilt. In die Gänge kommt der Film allerdings nicht.

Die späte neusachlich verpackte Ankunft von Leoš Janáčeks „Füchslein“ in der Berliner Staatsoper Unter den Linden überzeugt mit einer geschlossenen Ensembleleistung und durch Simon Rattles Dirigat.

Redakteur im Feuilleton.

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