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23.01.2026
14:10 Uhr
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Der Film „Ein Nobody gegen Putin“ auf ZDF und Arte zeigt das volle Ausmaß der russischen Kriegspropaganda. Bei den Kindern setzt sie an. Die Nominierung für den Oscar erfolgt zu Recht.

Manchmal muss ein Dokumentarfilm erst eine Oscar-Nominierung erhalten, damit man ihn in einer Mediathek entdeckt. Nicht auszudenken, man hätte den von ZDF und Arte mitproduzierten Neunzigminüter „Ein Nobody gegen Putin“ verpasst, denn dieser Film hat neben vielen anderen Qualitäten vor allem Seltenheitswert. Er zeigt das russische Bildungssystem – seit Jahren eine Blackbox, aus der nur spärliche Details hervordringen – mitten im Krieg und dokumentiert, wie sich darin schrittweise die Propaganda ausbreitet. Es beginnt mit patriotischen Liedern im Unterricht, dann wird auf den Schulfluren das Marschieren geübt, im Sport finden Granatenweitwurfwettbewerbe statt, Wagnersöldner halten Vorträge, und schließlich werden die ersten Gefallenen, ehemalige Schüler, beerdigt, man hört die Mütter weinen.
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Redakteur im Feuilleton.
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