Wir haben ein Problem mit der Wahrheit. Eine Wahrheit, die sich ihrer selbst zu gewiss ist. Die Null oder Eins ist - richtig oder falsch. Und sich damit in absoluter Gewissheit sonnt und zwar in der Sonne einer universalistischen Vernunft. „Denke nur, denke nur sorgfältig, denke nur tiefgründiger - und Du wirst die eine Lösung, die eine Wahrheit finden“: Das mag mathematisch und naturwissenschaftlich seine Berechtigung haben, das mag philosophisch seinen Reiz besitzen. Will man aber Gesellschaften gestalten, so trifft man auf Gestalten, die nicht man selbst sind. Das macht es schwierig - und häufig intensiv. Die Hybris der menschlichen Vernunft ist dabei ein gefährlicher Ratgeber, wie Goethe in seinem „Faust“ im „Prolog im Himmel“ in den Worten des Mephistopheles gegenüber Gott anmahnt und dem wir hier - immerhin - nahekommen:
