FAZ 26.12.2025
13:52 Uhr

(+) Essay: Warum die Wahrheit uns nicht rettet


Wenn wir nur genug nachdenken, finden wir für unsere Probleme die richtige Lösung? Schön wär's, schreibt Ökonom und Ethikrat-Mitglied Nils Goldschmidt.

(+) Essay: Warum die Wahrheit uns nicht rettet

Wir haben ein Problem mit der Wahrheit. Eine Wahrheit, die sich ihrer selbst zu gewiss ist. Die Null oder Eins ist - richtig oder falsch. Und sich damit in absoluter Gewissheit sonnt und zwar in der Sonne einer universalistischen Vernunft. „Denke nur, denke nur sorgfältig, denke nur tiefgründiger - und Du wirst die eine Lösung, die eine Wahrheit finden“: Das mag mathematisch und naturwissenschaftlich seine Berechtigung haben, das mag philosophisch seinen Reiz besitzen. Will man aber Gesellschaften gestalten, so trifft man auf Gestalten, die nicht man selbst sind. Das macht es schwierig - und häufig intensiv. Die Hybris der menschlichen Vernunft ist dabei ein gefährlicher Ratgeber, wie Goethe in seinem „Faust“ im „Prolog im Himmel“ in den Worten des Mephistopheles gegenüber Gott anmahnt und dem wir hier - immerhin - nahekommen:

Birgit Breuel, die frühere Treuhandchefin, will sich noch einmal einmischen. Ihre Botschaft: Deutschland hat das Zeug, die großen Umbrüche dieser Zeit zu meistern. Die 88-Jährige spricht aus schmerzlicher Erfahrung.

Wirtschafts- und Finanzkrisen fördern seit Langem Populismus und Judenhass. Das zeigt der Rückblick auf die Gründerzeit im 19. Jahrhundert.

Kein Land hat so viele Syrer aufgenommen wie die Türkei. Die Bevölkerung will sie gern loswerden. Die Wirtschaft kann kaum ohne sie.

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