Wer dieser Tage immer noch routinemäßig die Unverbrüchlichkeit des transatlantischen Bündnisses beschwört, muss mittlerweile auch das Gegenteil wenigstens in Betracht ziehen. In den vergangenen Wochen hat sich nicht nur der Ton zwischen Europa und den USA verändert, sondern möglicherweise auch der Charakter der Beziehung selbst. Der amerikanische Präsident hat offen mit militärischer Gewalt gedroht – gegen einen NATO-Partner. Er hat eine militärische Annexion Grönlands öffentlich in Aussicht gestellt. Und er hat Europa mit wirtschaftlichem Druck in Form von Zöllen gedroht, sollte es sich seinen expansionistischen Forderungen nicht fügen. Das sind keine rhetorischen Ausrutscher. Es ist politische Erpressung – nicht gegen Gegner, sondern gegen Verbündete. Wer dem amerikanischen Präsidenten und seiner MAGA-Bewegung zuhört, der muss erkennen, dass diese die Welt in „wir“ und „die“ einteilen. Und mit „die“ meinen sie zunehmend auch Europa – und die NATO.
