Dlf 05.06.2026
12:15 Uhr

US-Studie - Homeoffice erhöht soziale Isolation und kann psychisch belasten


Gerade durch die COVID-19-Pandemie ist das Arbeiten von zuhause aus üblicher geworden. Zuletzt lag der Homeoffice-Anteil in Deutschland laut einer Ifo-Konjunkturumfrage bei fast 25 Prozent. Eine US-Studie zeigt nun auch mögliche negative Effekte des Remote-Arbeitens: soziale Isolation und psychische Belastung.

US-Studie - Homeoffice erhöht soziale Isolation und kann psychisch belasten
Die Forscherinnen analysierten Befragungsdaten von mehr als 500.000 US-Amerikanerinnen und -Amerikanern. Sie verglichen die Erfahrungen der Arbeitnehmer vor der Pandemie (2011 bis 2019) mit den Erfahrungen aus der Zeit nach der Pandemie (2022 bis 2024). Es zeigte sich, dass Menschen in Homeoffice-Jobs danach mehr Zeit alleine verbrachten. Das glichen sie auch nicht mit mehr privaten sozialen Kontakten aus. Zudem berichteten sie von einer höheren psychischen Belastung. Diese Effekte waren besonders ausgeprägt bei alleinlebenden Personen, schreibt die Forschungsgruppe im Fachjournal "Science". Die Wissenschaftlerinnen sind in der Forschungsabteilung der New Yorker Federal Reserve Bank, an der Universität Virginia sowie der Harvard University in den USA tätig.

Einschränkungen der Studie: Langfristige Anpassung von Arbeitnehmenden nicht erfassbar

Das Team merkt an, dass die Daten zur Studie im Jahr 2024 enden - daher sei nicht vollständig erfassbar, wie Arbeitnehmer sich möglicherweise längerfristig anpassen. Dass Homeoffice an sich der Grund für psychische Probleme ist, beweist die Studie ebenfalls nicht. Es könnte weitere Faktoren geben, die eine Rolle spielen - etwa, dass im Homeoffice tendenziell mehr Überstunden gemacht werden.

Ergebnisse lassen sich laut Fachleuten auf Deutschland übertragen

Andere Forschende halten die Ergebnisse prinzipiell für auf Deutschland übertragbar, weisen aber darauf hin, dass sich Arbeitsmarktstrukturen, Wohlfahrtsstaatlichkeit und Betriebskulturen unterschieden. Gleichwohl fänden sich ähnliche Hinweise wie in der US-Studie auch in der Forschung aus dem deutschsprachigen Raum, heißt es etwa in einer Untersuchung zweier Soziologinnen an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Beschäftigte bewerteten die zeitliche Flexibilität von Homeoffice häufig positiv, berichteten gleichzeitig jedoch von einem Rückgang informeller Kontakte, spontaner Begegnungen und sozialer Verbundenheit.
Diese Nachricht wurde am 05.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.