Dlf 05.01.2026
01:35 Uhr

Nach Militäreinsatz - +++ Maduro soll vor Gericht erscheinen +++ Trump droht Caracas mit weiterem Militärschlag +++ 26 EU-Staaten unterzeichnen Erklärung zur Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela




Nach Militäreinsatz - +++ Maduro soll vor Gericht erscheinen +++ Trump droht Caracas mit weiterem Militärschlag +++ 26 EU-Staaten unterzeichnen Erklärung zur Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela
"Wir laden die Regierung der Vereinigten Staaten ein, gemeinsam an einer Agenda der Kooperation zu arbeiten, die auf gemeinsame Entwicklung ausgerichtet ist und im Rahmen des Völkerrechts ein dauerhaftes Zusammenleben in der Gemeinschaft stärkt", hieß es in einer von der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez auf Instagram veröffentlichten Mitteilung. Rodríguez hatte sich zuvor noch unbeugsam gezeigt.
"Unsere Völker und unsere Region verdienen Frieden und Dialog, keinen Krieg"», schrieb sie nun an US-Präsident Donald Trump gerichtet. Sie forderte eine von Respekt geprägte Beziehung zwischen den USA und Venezuela, die auf souveräner Gleichheit und Nichteinmischung basiert.

Trump droht Venezuela mit weiterem Militärschlag

Sollten die ‌verbliebenen Mitglieder der Führung in Caracas seine Bemühungen nicht unterstützen, das Land zu stabilisieren, sei dies eine Option, erklärte Trump an Bord der Air Force One. US-Heimatschutzministerin Noem sagte dem TV-Sender Fox News, Interims-Staatschefin Rodríguez könne ihr Land "führen oder Platz machen".

Venezuelas Außenminister: Maduro bleibt Präsident

"In Venezuela gibt es einen verfassungsmäßigen Präsidenten, Nicolás Maduro Moros, der zwar derzeit illegal festgehalten wird, aber weiterhin das Staatsoberhaupt in voller Ausübung seines Mandats ist", sagte Außenminister Yván Gil auf einer Krisensitzung der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (Celac) laut dem regierungsnahen Sender Telesur. Trotz des Angriffs herrsche in Venezuela heute "Frieden und Ruhe", die Institutionen funktionierten "uneingeschränkt".

China ‌kritisiert das Vorgehen der USA

"Wir akzeptieren nicht, dass eine ​Nation beanspruchen kann, der Weltrichter zu sein", erklärte Außenminister Wang Yi. China glaube zudem nicht, dass ⁠ein Land als "Weltpolizei" agieren könne. Die Souveränität aller Länder müsse nach internationalem Recht geschützt werden.

Bei dem US-Einsatz in Venezuela sind nach Angaben aus Havanna 32 Bürger Kubas getötet worden.

Demnach handelte es sich um Angehörige der kubanischen Sicherheitskräfte, die auf Bitten der venezolanischen Behörden in das südamerikanische Land entsandt worden seien. Die kommunistische Führung Kubas ordnete für den 5. und 6. Januar eine zweitägige Staatstrauer an.

Maduro soll heute einem Richter vorgeführt werden

Wie das zuständige Bundesgericht im New Yorker Stadtteil Manhattan mitteilte, werden dem 63-Jährigen um 12 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) die gegen ihn erhobenen Anklagepunkte eröffnet. Dort werde Maduro und seiner Frau unter anderem wegen einer "Verschwörung zum Drogenterrorismus" der Prozess gemacht. Er soll sein aus Sicht Washingtons illegal erlangtes Amt dafür genutzt haben, dass Tausende Tonnen Kokain in die USA transportiert worden seien. Maduro habe für sich selbst daraus Vorteile gezogen und sich dafür auch mit Drogenhändlern verbündet.

UNO-Sicherheitsrat berät heute über US-Einsatz

Beantragt hatte die Dringlichkeitssitzung, die gegen 16 Uhr MEZ beginnen soll, die Führung in Caracas. Die Attacke stelle einen Verstoß gegen die UNO-Charta dar und gefährde den Frieden in der Region und der ganzen Welt, hieß es in einem Schreiben des Außenministeriums an den ständigen Vertreter Somalias bei den Vereinten Nationen, der im Januar dem Sicherheitsrat vorsteht. Das mächtigste UNO-Gremium solle die Aggression verurteilen und die Einstellung der Angriffe fordern. Venezuela erhielt für seinen Antrag die Unterstützung Russlands und Chinas.

Sonntag, 4. Januar 2026

Maduro-Gegner und Exilpolitiker Gonzalez Urrutia ruft zu Freilassung politischer Gefangener auf

Der frühere Diplomat Gonzalez Urrutia, der im Exil lebt, wird von vielen als der legitime Gewinner der letztjährigen Präsidentenwahl betrachtet. In einem Videostatement hat er zur sofortigen und bedingungslosen Freilassung der politischen Gefangenen in Venezuela aufgerufen. Es handle sich um einen historischen Moment. Er rief dazu auf, Venezuela gemeinsam wieder aufzubauen.

26 EU-Staaten unterzeichnen Erklärung

Darin haben sie dazu aufgerufen, die Demokratie in Venezuela wieder herzustellen und den Willen des Volkes zu respektieren. Dies sei der einzige Weg, um die jetzige Krise friedlich zu lösen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung, die von allen EU-Mitgliedern außer Ungarn unterzeichnet wurde. Die EU rufe alle Akteure zur Zurückhaltung auf, um eine weitere Eskalation zu vermeiden, heißt es in dem Text. Die Achtung des Willens des venezolanischen Volkes sei der einzige Weg, in dem Land die Demokratie wiederherzustellen.

Rubio: Kongress nicht zu befragen war rechtens

US-Außenminister Rubio hat die US-Regierung gegen Kritik verteidigt, dass der Kongress vor dem Angriff auf Venezuela hätte befragt werden müssen. Rubio sagte dem Sender CBS, man habe kein Land besetzt. Es habe sich um eine Festnahme gehandelt. Rubio betonte zudem, dass die Vereinigten Staaten Venezuela nicht regieren wollen würden, sondern lediglich die bestehende „Öl-Quarantäne“ gegen das Land durchsetzen wollten. US-Präsident Trump hatte gestern angekündigt, dass die USA Venezuela nach dem Sturz von Staatschef Maduro regieren würden.

Demonstrationen in mehreren deutschen Städten

In München versammelten sich schätzungsweise 400 Menschen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Demonstranten zogen durch die Straßen, es blieb den Aussagen zufolge friedlich. In Nürnberg versammelten sich einer ersten Einschätzung zufolge rund 120 Teilnehmer zu einer Kundgebung, in Düsseldorf protestierten rund 240 Menschen gegen den Angriff der USA auf Venezuela. Auch in anderen deutschen Städten waren Proteste angekündigt, unter anderem in Hamburg, wo am Abend ein Demonstrationszug an den Landungsbrücken am Hafen entlang zog.

Militär in Venezuela stellt sich hinter Interimspräsidentin Rodríguez

Das teilte Verteidigungsminister Padrino in einer Erklärung im Fernsehen mit. Die Streitkräfte seien landesweit aktiviert worden, um die Souveränität des Landes zu garantieren. Zugleich kritisierte Padrino, ein großer Teil des Sicherheitsteams von Maduro sei bei dem US-Militäreinsatz getötet worden. Die Bevölkerung rief er dazu auf, alle Aktivitäten wieder aufzunehmen und nicht der "Angst" nachzugeben, die man dem Land aufzwingen wolle. US-Präsident Trump warnte Übergangspräsidentin Rodriguez, "sie werde einen höheren Preis als Maduro bezahlen, wenn sie nicht tue, was notwendig sei". Zuvor hatte Rodriguez Führungsansprüche der USA über Venezuela zurückgewiesen und eine Zusammenarbeit mit Washington abgelehnt.

US-Außenminister Rubio setzt auf Kooperation und Druck

US-Außenminister Rubio hat erklärt, dass Washington bereit sei, mit der derzeitigen Führung in Venezuela zusammenzuarbeiten. Er sagte dem Fernsehsender CBS News, man werde diese anhand ihrer Taten beurteilen. Wenn sie nicht die richtigen Entscheidungen treffe, verfüge die US-Regierung über mehrere Einflussmöglichkeiten.

Europarat äußert sich besorgt

Der Europarat hat sich besorgt geäußert. Generalsekretär Berset sagte, man wisse aus dem Engagement in der Ukraine, wie fragil das Völkerrecht werde, sobald die Anwendung von Gewalt normalisiert werde. Berset betonte, entweder sei das Völkerrecht universell oder es sei bedeutungslos.

Grünen-Fraktion kritisiert Kanzler-Äußerung

Grünen-Fraktionschefin Dröge hat die Reaktion von Bundeskanzler Merz auf das Vorgehen der USA kritisiert. Es sei ein großes Problem, dass Merz sich nur zu wenigen relativierenden Sätzen habe durchringen können. Abtauchen sei in dieser Situation eine fatale Strategie, betonte Dröge.

Papst Leo "besorgt" über ⁠Entwicklung in Venezuela

Papst Leo hat dazu aufgerufen, die Unabhängigkeit Venezuelas zu wahren und die Menschenrechte zu achten. Er verfolge die Lage nach dem Sturz von Präsident Maduro durch die USA mit großer Sorge, sagte das Oberhaupt der katholische Kirche in Rom.

China verlangt Freilassung Maduros

China hat die Vereinigten Staaten aufgefordert, den venezolanischen Staatschef Maduro und dessen Frau unverzüglich freizulassen. Die Situation müsse durch Dialog und Verhandlungen gelöst werden, erklärte das Außenministerium in Peking. Das Vorgehen der US-Regierung verstoße gegen internationales Recht. Auch Russland und der Iran verurteilten den US-Militäreinsatz. Die drei Staaten gehören zu den Verbündeten Venezuelas.

Mexiko und Brasilien sorgen sich um Stabilität in Lateinamerika

Die mexikanische Präsidentin Sheinbaum hat den US-Militäreinsatz in Venezuela verurteilt. Das Außenministerium der linksgerichteten Regierung warnte, jede Form militärischer Aktion gefährde ernsthaft die regionale Stabilität. Sheinbaum hatte zuvor angeboten, bei der Suche nach einer friedlichen Lösung im Konflikt zwischen den USA und Venezuela zu vermitteln.
Der linksgerichtete Präsident Brasiliens, Lula da Silva, prangerte den US-Militäreinsatz als ernsthafte Verletzung der Souveränität Venezuelas ab. "Die Bombenangriffe auf venezolanischem Staatsgebiet und die Gefangennahme seines Präsidenten überschreiten die Grenzen des Akzeptablen" und bedrohten den Frieden in der Region, erklärte Lula im Onlinedienst X. Die US-Bombardements erinnerten "an die schlimmsten Momente der Einmischung in die Politik Lateinamerikas und der Karibik", kritisierte der brasilianische Staatschef.

Vizepräsidentin Rodríguez zur Interims-Staatschefin ernannt

Unterdessen wurde Maduros bisherige Stellvertreterin Rodríguez von einem Gericht zur Interimspräsidentin ernannt. Bei einem Ausfall des Präsidenten sieht die venezolanische Verfassung diesen Schritt bis zu Neuwahlen vor. Rodríguez hatte zuvor die sofortige Freilassung Maduros und seiner Ehefrau gefordert. Sie nannte ihn den "einzigen Präsidenten des Landes". Den US-Angriff bezeichnete Rodríguez als Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen, eine Zusammenarbeit mit den USA lehnte sie ab. Venezuela werde niemals die Kolonie einer anderen Nation sein, sagte sie weiter.

Maduro in Haftanstalt in New York gebracht - Anklage wegen Drogenhandels und Terrorismus

Nach seiner Gefangennahme in Venezuela ist Präsident Maduro inzwischen in einer Haftanstalt in New York angekommen. Ein vom Weißen Haus im Internet verbreitetes Video zeigt, wie Maduro in Handschellen von Beamten der Anti-Drogen-Behörde DEA abgeführt wird. Medienberichten zufolge soll er für die Zeit seiner Untersuchungshaft in einer Anstalt im Stadtbezirk Brooklyn untergebracht werden. Maduro und seiner Frau soll nach Angaben von Justizministerin Bondi der Prozess wegen Drogenhandels und Terrorismus gemacht werden.

Weiterführende Informationen

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US-Intervention in Venezuela: Trumps Schlag gegen Maduro und die Folgen
Diese Nachricht wurde am 05.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.