Dlf 16.02.2026
02:57 Uhr

Nach Merz-Rede - Debatte über atomare Bewaffnung Europas: Wadephul und Laschet dämpfen Erwartungen


Bundesaußenminister Wadephul hat sich zurückhaltend zur Frage einer gemeinsamen atomaren Bewaffnung Europas positioniert. Es gebe genug Atomwaffen auf der Welt, sagte der CDU-Politiker im ARD-Fernsehen. Zudem verfügten Frankreich und Großbritannien bereits darüber.

Nach Merz-Rede - Debatte über atomare Bewaffnung Europas: Wadephul und Laschet dämpfen Erwartungen
Ferner gebe es den Schutzschirm der USA, den niemand in Washington infrage stelle. Auch der CDU-Außenpolitiker Laschet dämpfte die Erwartungen. Es sei zwar richtig, kein Thema zu tabuisieren. Dass man jetzt aber als Erstes über Möglichkeiten einer deutschen Beteiligung an Atomwaffen diskutiere, habe keine Priorität. Eine solche Frage stehe in den nächsten Wochen oder Monaten nicht zur Entscheidung an.
Ähnlich äußerte sich Laschets Parteikollege Röttgen. "Bevor wir uns über einen Atomschirm Gedanken machen, sollten wir erst einmal bei der konventionellen Aufrüstung in Gang kommen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Deutsche Atomwaffen wären unendlich teuer, ihre Anschaffung würde viele Jahre dauern. Die rechtliche Lage verbiete zudem "jeden Gedanken daran".

Röwekamp: "Europäische Ergänzung innerhalb der NATO"

Der CDU-Verteidigungsexperte Röwekamp erklärte indes, Deutschland müsse bereit sein, mehr Verantwortung zu übernehmen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um einen Ersatz der nuklearen Schutzgarantien der USA, sondern um "eine europäische Ergänzung innerhalb der NATO", sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag ebenfalls der "Augsburger Allgemeinen".
Frankreich leiste seit Jahren einen zentralen Beitrag zur europäischen Abschreckung, und der aktuelle Austausch zeige, "wie eng wir diesen Beitrag gemeinsam weiterdenken", so Röwekamp.

Klingbeil: "Was das Ergebnis ist, werden wir dann sehen"

Bundeskanzler und CDU-Chef Merz hatte auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt, er habe mit Frankreichs Präsident Macron erste Gespräche über eine europäische nukleare Abschreckung aufgenommen. Vizekanzler Klingbeil verteidigte diesen Schritt. "Was das Ergebnis ist, das werden wir dann sehen", sagte Klingbeil der Deutschen Presse-Agentur. Auch der SPD-Vorsitzende betonte, Deutschland werde am System der nuklearen Abschreckung der NATO festhalten und keine eigenen Atomwaffen anschaffen.
Deutschland hat sich im Atomwaffensperrvertrag und im Zwei-Plus-Vier-Vertrag dazu verpflichtet, auf eigene Kernwaffen zu verzichten. Zugleich ist die Bundesrepublik als NATO-Mitglied durch die sogenannte nukleare Teilhabe abgesichert. Diese wiederum basiert wesentlich auf dem Atomwaffenarsenal der Vereinigten Staaten.
Diese Nachricht wurde am 16.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.