Im Herbst war noch von einem Plus des Bruttoinlandsproduktes von 1,3 Prozent ausgegangen worden. Ein Grund für die gesenkte Prognose ist laut Reiche, dass die Erholung im zweiten Halbjahr 2025 schwächer ausgefallen ist als erwartet. Der Start ins neue Jahr sei damit schwieriger, sagte sie. Probleme bereiten der deutschen Wirtschaft laut dem Bericht unter anderem die Zollpolitik von US-Präsident Trump und die zunehmende Konkurrenz durch chinesische Unternehmen.
Konjunkturmaßnahmen wirken nicht so schnell
Die schwächere Prognose geht laut der Wirtschaftsministerin auch darauf zurück, dass die staatlichen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht so schnell wirken wie erhofft. Die Konjunktur dürfte aber vom Konsum gestützt werden. Die Reallöhne würden in diesem Jahr deutlicher steigen als die Inflation, so Reiche. Schwächere Einkommensschichten profitierten dabei von der Mindestlohnsteigerung.
Zwei Drittel des erwarteten leichten Wachstums gehen laut Reiche auf staatliche Impulse zurück. Das sind vor allem Investitionen in die Sanierung der Infrastruktur und zur Aufrüstung der Bundeswehr. Private Investitionen sind dagegen weiterhin selten. Reiche sagte, diese seien seit 2019 um elf Prozent zurückgegangen.
"Umfangreiche Strukturreformen"
Die CDU-Politikerin betonte, die Regierung habe bereits viele Maßnahmen zur Stärkung des Standorts angestoßen. "Das ist ein Anfang." Sie verwies etwa auch auf den geplanten Bau neuer Gaskraftwerke zur Stabilisierung der Stromversorgung, die Reform des Bürgergeldes hin zu einer Grundsicherung und die Abschlüsse der EU-Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosurstaaten und mit Indien. Die Ministerin sprach sich für weitere umfangreiche Strukturreformen aus: Die Lohnnebenkosten müssten sinken, der Arbeitsmarkt flexibler werden und mit Weiterbildung und Fachkräfteanwerbung im Ausland der demographische Wandel ausgeglichen werden. Sie verwies auf die geplante Umstellung der Regelarbeitszeit von acht Stunden am Tag auf eine Wochenarbeitszeit. Zudem müssten mehr Menschen in Vollzeit statt wie bisher in Teilzeit arbeiten.
Nebeneffekt: Mehr Spielraum für Neuverschuldung
Die schwächeren Konjunkturaussichten haben einen wichtigen Nebeneffekt: Sie erhöhen in den kommenden Jahren den Spielraum des Bundes für eine konjunkturbedingte Neuverschuldung. Grund ist eine negativere Einschätzung der sogenannten Konjunkturkomponente, die sich aus der am Mittwoch veröffentlichten Jahresprojektion der Regierung ergibt. Im Rahmen der Schuldenbremse darf der Bund bei einer schlechteren Wirtschaftslage mehr Kredite aufnehmen, um die konjunkturell bedingten Steuerausfälle und Mehrausgaben auszugleichen.
Den neuen Berechnungen zufolge fällt die Konjunkturkomponente im Zeitraum 2026 bis 2029 insgesamt um 2,8 Milliarden Euro negativer aus als noch im Herbst prognostiziert. Für das laufende Jahr 2026 ergibt sich allein aus dieser Komponente nun eine zulässige Mehrverschuldung von 16,5 Milliarden Euro statt zuvor 15,6 Milliarden Euro. Im Jahr 2027 steigt der Spielraum um 1,1 Milliarden auf 9,6 Milliarden Euro.
Damit könnte Finanzminister Klingbeil (SPD) geringfügig mehr Spielraum bei der Aufstellung des Bundeshaushalts für 2027 und im Finanzplan gewinnen. Grundlage für die Aufstellung der Eckwerte ist aber der im April anstehende neue Konjunkturausblick mit der jährlichen Frühjahrsprojektion.
Diese Nachricht wurde am 28.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
