Dlf 29.11.2025
09:01 Uhr

Gießen - Proteste und Blockaden gegen Gründung von neuer AfD-Jugendorganisation - Beginn von Kongress verzögert sich


Der Gründungskongress der neuen AfD-Jugendorganisation in Gießen hat sich aufgrund von Protesten und Blockaden verzögert. Der eigentlich geplante Beginn der Veranstaltung konnte nicht eingehalten werden, da bis zum Mittag etwa die Hälfte der 1.000 angemeldeten Mitglieder noch auf dem Weg waren.

Gießen - Proteste und Blockaden gegen Gründung von neuer AfD-Jugendorganisation - Beginn von Kongress verzögert sich
Wie ein Polizeisprecher mitteilte, gibt es Blockaden von Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen. Die Zufahrt in das Stadtzentrum sei stark beeinträchtigt. Laut dem Protestbündnis "Widersetzen" waren zeitweise alle wichtigen Zufahrtswege zum Veranstaltungsort, der Gießener Messe, blockiert. Es seien mehr als 15.000 Aktivistinnen und Aktivisten auf der Straße. Fernsehbilder dokumentieren, dass sich vermummte Demonstranten und Wasserwerfer der Polizei gegenüberstehen.
Die Polizei teilte mit, an einer Blockade seien Einsatzkräfte mit Steinen beworfen worden. Diese hätten daraufhin Pfefferspray eingesetzt. Die Polizei begann zudem eine Blockade von 2.000 Personen auf der Bundesstraße 49 zu räumen und setzte nach eigener Aussage auch Wasserwerfer ein, "nachdem die Gruppe auf die mündliche Aufforderung, die Straße freizumachen, nicht reagiert hat".

Etwa 50.000 Menschen erwartet

Abgesehen von den Straßenblockaden begannen der Polizei zufolge schon am frühen Morgen die ersten Protestversammlungen. Daran hätten "mehrere tausend" Menschen teilgenommen. Zur Hauptdemonstration hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund aufgerufen. 
Die Einsatzkräfte rechnen eigenen Angaben zufolge mit rund 50.000 Menschen, die gegen die Neugründung demonstrieren. Gut 30 Protestzüge, Kundgebungen und Mahnwachen seien angemeldet worden. Die Polizei sei mit tausenden Kräften im Einsatz, hieß es. Im Mittelpunkt der zweitägigen Gründungsveranstaltung stehen Satzungsfragen und die Wahl der neuen Führung.
Die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin Nina Kolleck von der Universität Potsdam sagte im Deutschlandfunk, der AfD gelinge es wie kaum einer anderen Partei, die Grundbedürfnisse der Jugend anzusprechen. Zudem biete sie in einer komplexen Welt einfache Lösungen an. Entscheidend sei jedoch, dass sich die jungen Leute von der AfD ernstgenommen fühlten, erklärte Kolleck.
Die bisherige AfD-Jugendorganisation Junge Alternative hatte sich im Frühjahr aufgelöst, nachdem sich die Partei von ihr getrennt hatte. Als eigenständiger Verein war die vom Verfassungsschutz als erwiesen rechtsextremistisch eingestufte JA nur lose an die AfD angebunden gewesen.

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Diese Nachricht wurde am 29.11.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.