Dlf 09.02.2026
04:36 Uhr

Demokratieaktivist - Gericht in Hongkong verurteilt Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft


In Hongkong hat ein Gericht den Medienunternehmer und Demokratieaktivisten Lai zu 20 Jahren Haft verurteilt. Menschenrechtsorganisationen reagierten entsetzt. Peking begrüßte dagegen das Urteil.

Demokratieaktivist - Gericht in Hongkong verurteilt Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft
Der Gründer der inzwischen geschlossenen Zeitung "Apple Daily" war bereits im Dezember unter anderem wegen "Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften" schuldig gesprochen worden. Nun wurde das Strafmaß verkündet.
Dem Urteil war ein fast fünfjähriges Verfahren vorausgegangen, das mit Lais erster Festnahme im August 2020 begonnen hatte. Der 78-Jährige hat die Vorwürfe gegen ihn stets zurückgewiesen. Seine Verteidigung hatte sich zuletzt um eine Strafmilderung bemüht. Medienberichten zufolge ging es dabei vor allem um den Gesundheitszustand des Angeklagten
Der Prozess gegen Lai gilt als der ​bisher prominenteste Fall im Zusammenhang mit dem Hongkonger Sicherheitsgesetz, das 2020 in Kraft trat. Kritiker betrachten den Prozess als politisch motiviert und weiteres Zeichen für den Abbau von Pressefreiheit sowie politischen Freiheitsrechten in der Sonderverwaltungszone durch die Führung in Peking.

Human Rights Watch: Lange Haft "praktisch ein Todesurteil"

"Die harte 20-jährige Haftstrafe gegen den 78-jährigen Jimmy Lai ist praktisch ein Todesurteil", erklärte die Asien-Leiterin der Organisation Human Rights Watch, Elaine Pearson. Die Strafe sei grausam. Reporter ohne Grenzen (RSF) teilte mit, die Gerichtsentscheidung unterstreiche den "vollständigen Zusammenbruch der Pressefreiheit in Hongkong". Demokratien wie Großbritannien und die USA müssten Druck auf Peking und die Behörden in Hongkong ausüben, um sicherzustellen, dass Lai und alle anderen Journalisten aus dem Gefängnis entlassen würden.
Die chinesische Regierung begrüßte die Verurteilung dagegen. Das Außenministerium in Peking erklärte, Lai habe es verdient, hart bestraft zu werden. Hongkong könne auf die Unterstützung durch die Zentralregierung bei der Wahrung der nationalen Sicherheit zählen. Großbritanniens Außenministerin Cooper forderte Lais Freilassung. Lai, der auch britischer Staatsbürger ist, habe alle Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, dass er ein politischer Gefangener sei.

Umstrittenes Sicherheitsgesetz als Reaktion auf Proteste

Das Sicherheitsgesetz in Hongkong richtet sich gegen die prodemokratische Opposition sowie gegen Aktivitäten, die Pekings autoritäre Führung als umstürzlerisch, separatistisch, terroristisch oder verschwörerisch einstuft. Es trat 2020 als Reaktion auf große Demonstrationen für mehr Demokratie in Kraft. International ist das Gesetz, das Freiheitsrechte in der chinesischen Sonderverwaltungsregion einschränkt, sehr umstritten.
Diese Nachricht wurde am 09.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.