In Blutproben sei eine Überdosierung zum Zeitpunkt der Untersuchung meist nicht mehr nachzuweisen, berichtet das Forschungsteam im Fachjournal "Clinical Toxicology". Denn die Substanzen würden rasch abgebaut. Die Forscher schätzen deshalb, dass es etwa ein Drittel mehr Todesfälle gibt als bisher angenommen.
Konkret geht es um sogenannte Nitazene - eine Gruppe synthetischer Opioide, deren Wirksamkeit bis zu 500-mal so hoch sein kann wie die von Heroin. Die Substanzen sind billig und leicht herzustellen. Konsumiert werden sie als Vape, Tablette oder Pappe. Die wirksame Dosis ist nicht weit entfernt von der tödlichen Dosis. Typische Anzeichen einer Überdosis sind Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle und starke Sedierung, gefolgt von Atemstillstand.
Vor allem unter jungen Menschen verbreitet
Laut einem Bericht des Instituts für Therapieforschung in München konsumieren vor allem junge, an Drogenexperimenten interessierte Menschen die Substanzen. Die britische National Crime Agency (NCA) erfasste im Jahr 2024 mehr als 330 Todesfälle im Zusammenhang mit Nitazenen.
Der EU-Drogenagentur EUDA zufolge waren unter den 2024 EU-weit knapp 50 neu gemeldeten Substanzen etwa die Hälfte Nitazene. Ihre Präsenz auf dem Drogenmarkt habe in den letzten sieben Jahren stark zugenommen. Ursprünglich wurden Nitazene in den 1950er Jahren als Schmerzmittel entwickelt, jedoch als Arzneimittel nie zugelassen.
Oft gibt es kein toxikologisches Gutachten
In Deutschland werde die genaue Ursache bei Drogentodesfällen nur im Einzelfall bestimmt, erklärte die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. Die tatsächliche Todesursächlichkeit einzelner Substanzen könne daher nur geschätzt werden. Zu bedenken sei dabei, dass in etwa 80 Prozent der Fälle mehr als eine Substanz konsumiert wurde und es oft gar nicht möglich sei, zu benennen, welche davon die tödlich wirkende war.
Diese Nachricht wurde am 09.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
